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Wann die Schweizer MWST entsteht: Der Steuerpunkt (Steuerentstehung) nach Art. 39 und 40 MWSTG

24. Oktober 2026 · facturio.ch

Die Rechnung geht am 20. März raus, das Geld kommt am 20. Mai. Welches Quartal trägt die MWST? Das Mehrwertsteuergesetz braucht für die Antwort nur zwei Artikel: Art. 39 und 40 MWSTG bestimmen, wann die Steuerforderung entsteht (MWSTG, fedlex) — und der Schweizer Standard ist die Rechnung, nicht der Kontoauszug.

Der Schweizer Standard: Die MWST folgt der Rechnung

Das Gesetz legt die Abrechnungsart selbst fest: Die Steuer ist nach dem vereinbarten Entgelt abzurechnen — im Alltag die Abrechnung nach vereinbarten Entgelten (MWSTG, fedlex). Auf die Zahlung wartet der Standard nicht.

Auf dieser Basis entsteht die Steuerschuld mit der Rechnungsstellung (MWSTG, fedlex). Die ESTV präzisiert: Bei der Abrechnung nach vereinbarten Entgelten ist das Entgelt in derjenigen Abrechnungsperiode zu deklarieren, in der die erbrachten oder zukünftigen Leistungen in Rechnung gestellt worden sind (MWST-Info 16).

Dasselbe gilt auf der Einkaufsseite: Wer nach vereinbarten Entgelten abrechnet, macht den Vorsteuerabzug im Zeitpunkt des Empfangs der Rechnung geltend (MWSTG, fedlex). Eine Lieferantenrechnung, die im Dezember eintrifft, gehört in die Dezember-Abrechnung — auch wenn Sie erst im Februar zahlen.

Eine gestellte, aber unbezahlte Rechnung zählt also bereits — während eine Leistung ohne jede Rechnungsstellung auf den Vereinnahmungszeitpunkt zurückfällt, weil das Entgelt in der Periode zu deklarieren ist, in der es vereinnahmt wurde (MWST-Info 16). Ein Kunde, der nie zahlt, ist ein Korrekturproblem — kein Grund, den Betrag stillschweigend wegzulassen.

Akonti und Abschlagsrechnungen stellen die Uhr vor

Der Standard hat Ausnahmen, die den Steuerpunkt vorziehen: Die Steuerschuld entsteht mit der Ausstellung einer Teilrechnung oder dem Empfang der Teilzahlung bei einer Serie von Teilrechnungen oder Teilzahlungen — und mit dem Empfang des Entgelts für Anzahlungen (MWSTG, fedlex).

Ein Akonto von 30 Prozent, das im Dezember auf dem Konto eintrifft, trägt deshalb die Dezember-MWST — Anzahlungen sind Umsatz, sobald sie da sind, nicht erst mit der Leistung.

Dieselbe Logik gilt für die Abschlagsrechnung: Jede Teilrechnung einer Serie ist ein eigenes Steuerereignis (MWSTG, fedlex). Verteilen Sie ein Projekt über Quartale, landet jede Rate in der Periode, in der Sie sie stellen oder vereinnahmen.

Planen Sie Akonti mit dieser Uhr im Blick: Sie beschleunigen die Steuer genauso wie die Liquidität. Ein Akontoplan ist im Effekt ein MWST-Plan.

Die Abrechnung nach vereinnahmten Entgelten ist die Ausnahme

Die Alternative ist die Abrechnung nach vereinnahmten Entgelten, die die ESTV auf Antrag bewilligt (MWSTG, fedlex). Auf ihr entsteht die Steuerschuld mit dem Empfang des Entgelts, und der Vorsteuerabzug ist im Zeitpunkt der Zahlung geltend zu machen (MWSTG, fedlex).

In der ESTV-Praxis braucht diese Vereinnahmungsbesteuerung eine Bewilligung, und die Steuerschuld entsteht in dem Moment, in dem die steuerpflichtige Person das Entgelt tatsächlich erhält (MWST-Info 16).

Die ESTV kann die vereinnahmte Basis auch von Amtes wegen verfügen — etwa für Unternehmen, die Entgelte in erheblichem Umfang vor der Leistung oder der Rechnungsstellung erhalten (MWSTG, fedlex).

Welche Form gilt, ist während mindestens einer Steuerperiode beizubehalten; Quartalswechsel aus Liquiditätskosmetik sind keine Option (MWSTG, fedlex). Steht in Ihrem Registrierungsschreiben nichts anderes, rechnen Sie nach vereinbarten Entgelten ab.

Korrekturen und saubere Perioden

Korrekturen laufen nach eigener Uhr: Korrigiert die Leistungsempfängerin bezahlte oder vereinbarte Entgelte, ist die Umsatzsteuerschuld im Zeitpunkt der Verbuchung der Korrektur oder des Empfangs des korrigierten Entgelts anzupassen (MWSTG, fedlex). Eine Gutschrift gehört in die Periode ihrer Verbuchung, nicht in die der ursprünglichen Rechnung.

Ihre Bücher müssen mit dieser Uhr Schritt halten: Geschäftsvorfälle sind chronologisch fortlaufend und zeitnah nach ihrer Verwirklichung aufzuzeichnen, damit der Steuerpunkt Monate später noch prüfbar ist (MWST-Info 16).

Drei Gewohnheiten halten den Mechanismus freundlich: jedes Akonto im Vereinnahmungszeitpunkt buchen, jede Teilrechnung bewusst datieren und den Umsatz je Steuersatz am Quartalsende mit der deklarierten Steuer abgleichen.

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